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Sitzenbleiben abschaffen Erörterung (Pro und Contra)

Inhaltsverzeichnis

Hier ein schöner Artikel in Form einer Erörterung Sitzenbleiben abschaffen, wobei diese Frage mit pro und contra beantwortet wird. Los gehts:

Ob Sitzenbleiben eine wertvolle pädagogische Hilfe oder eine sinnlose Strafmaßnahme bedeutet, ist schon lange umstritten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verstärkte die immer wieder entstehende Debatte mit einem statistischen Überblick und mit deutlichen Forderungen: Sie hält die Zahl von jährlich rund 250.000 Sitzenbleibern an deutschen Schulen für "erschreckend hoch". Die Quoten lägen bei knapp sechs Prozent; sie seien von Bundesland zu Bundesland sowie zwischen den Schulformen allerdings sehr unterschiedlich. Seit Jahren wird in diversen Bundesländern über die Abschaffung des Sitzenbleibens diskutiert über die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, eine „Ehrenrunde“ zu drehen.

Aus diesem Grund werde ich im Folgenden erörtern, ob das Sitzenblieben abgeschafft werden soll, oder ob dieses „veraltete Kavaliersdelikt“ ein wichtiges pädagogisches Mittel ist, das in keinem Fall unterschätzt und abgeschafft werden sollte.

Nehmen wir an ein Schüler, der z.B. eine Lernschwäche hat, bleibt sitzen. Dieser verlässt zwar die Klasse, er behält allerdings sein Problem auch in der nächsten Klasse bei, da das Sitzenbleiben keineswegs seine Lernprobleme beseitigt, sondern diese eher noch verstärkt werden, da die Motivation deshalb fehlt, weil seine Bezugspersonen, seine Freunde und Freundinnen, aber auch seine vertrauten Lehrer und Lehrerinnen wegbrechen. Die Motivation eines Schülers leidet stark darunter, wenn er trotz größter Anstrengungen sitzenbleibt und dann in ein neues Lernumfeld gesteckt wird. In diesem Fall sollte man diese Lernschwäche besonders analysieren und individuell Methoden entwickeln, die zusammen mit pädagogischen Mitarbeitern im Rahmen der Schulrealität umgesetzt werden können. Selbstverständlich muss auch die Benotung dieser „Schwäche“ angepasst werden; das Schulgesetz bietet dazu viele Möglichkeiten. Schülern fällt es bei der Wiederholung einer Jahrgangsstufe nicht unbedingt leichter die schon einmal absolvierten Leistungskontrollen besser zu leisten oder dem Unterricht besser zu folgen, da sich diese mit der psychologischen Grundhaltung: ‘Ich hatte ja schon alles!‘,  sich zumeist während des Unterrichts langweilen und nicht mehr angemessen konzentriert mitarbeiten. Auch bei einigen Lehrkräften könnten diese Sitzenbleiber als von vornherein unaufmerksam abgestempelt werden und deshalb eine „schwerere“ Ausgangsposition haben. Hinzu kommt der Kostenfaktor. Schüler, die die Schulzeit freiwillig oder unfreiwillig verlängern, kosten den Steuerzahler pro Schuljahr sofort fünfstellige Beträge. Außerdem fördert das Sitzenbleiben besonders in Großstädten die fortschreitende soziale Selektion von Kindern, deren Eltern nicht in der Lage sind, ihre Kinder angemessen zu fördern. Die Möglichkeit des Sitzenbleibens fördert zusätzlich den Leitungsdruck der auf den Schülern lastet, der teilweise zum Ende eines Schuljahres durch gehäufte Prüfungen generell viel zu hoch ist. Anstatt durch das Sitzenblieben Schüler aufzugeben und im Stich zu lassen, sollten ihre versteckten Talente gefördert und individuell auf sie eingegangen werden.

Allerdings gibt es auch genügend Gründe, die gegen die Abschaffung des Sitzenbleibens sprechen. Schüler und Schülerinnen entwickeln sich gerade in der Schuleingangsphase, das sind Kinder im Alter zwischen fünf und sieben Jahren, und während der Pubertät völlig uneinheitlich. Gerade bei Kindern, bei denen notwendige Entwicklungssprünge verzögert eintreten, ist ein Sitzenbleiben nicht nur psychologisch, sondern auch entwicklungspädagogisch regelrecht notwendig. Nicht das formale Lebensalter ist für eine erfolgreiche Schulkarriere ausschlaggebend, sondern der jeweilige physische und psychische Entwicklungsstand der Kinder. Die Statistik belegt im Übrigen, dass gerade die Kinder, die wegen einer Entwicklungsverzögerung sitzengeblieben sind, anschließend sehr erfolgreich die Schulkarriere absolvierten.

Außerdem wäre zu nennen, dass Schüler über ein gewisses Basiswissen verfügen müssen, um den im Lehrplan folgend aufbauenden Stoff zu verstehen und diesen auch in der späteren Laufbahn benutzen zu können. Um dieses zu sichern, sind Noten und damit verbunden auch die Versetzung notwendig. Durch die rechtsverbindlichen Standards und die damit verbundenen Noten wird die Motivation und Einsatzbereitschaft der Schüler gestärkt, da sie Leistungen bringen wollen, um dem Sitzenbleiben zu entgehen (Kinder und Eltern wehren sich übrigens regelmäßig gegenüber den Versuchen der Grundschullehrer, so lange wie möglich keine Noten erteilen zu müssen).

Noten und Standards müssen erreicht und eingehalten werden, damit bundesweit einheitliche Vergleiche möglich sind. Außerdem ist das Wiederholen des Schuljahres eine wichtige Möglichkeit, Schülern die Chance zu geben, das verpasste Wissen aufzuarbeiten und aufzuholen, um notwendige Lücken zu schließen. Die Schüler können auch von dem neuen Umfeld einer anderen Klasse profitieren, wenn sie z.B. Probleme mit einzelnen Lehrern oder Schülern in der alten Klasse hatten und in einer neuen Gemeinschaft besser integriert sind. In Baden-Württemberg gibt es übrigens eine „Versetzung auf Probe“, wobei Schüler versetzt werden und nach ersten Prüfungen entschieden wird, ob diese endgültig versetzt oder doch zurückgestuft werden.

Schüler und Schülerinnen, die dem Unterricht nicht mehr folgen können, die schlichtweg überfordert sind, die an die Leistungsgrenzen gestoßen sind, kompensieren ihr Versagen durch extreme Auffälligkeiten: Sie werden aggressiv, stören bewusst den Unterricht, lenken lernwillige Schüler und Schülerinnen vom Unterricht ab, provozieren den Lehrer und boykottieren einen geregelten Unterrichtsverlauf. Selbst die genialsten binnendifferenzierte Unterrichtsmaßnahmen scheitern, weil der schwache Schüler sich durch die „leichteren“ Aufgaben zusätzlich diskriminiert fühlt und noch aggressiver wird.

Alles in Allem kann man sagen, dass das Sitzenbleiben zwar in unserem standardisierten Schul- und Benotungssystem absolut notwendig ist, um eine faire Gleichberechtigung der Schüler zu ermöglichen, allerdings sollte es dennoch nur als pädagogisches Mittel genutzt werden, um vorhandene Wissenslücken zu schließen oder Entwicklungsdefizite auszugleichen. Man sollte bei lernschwachen Schülern die Spielräume des Schulgesetzes nutzen, Ausnahmen und Sonderregelungen bei der Benotung ergreifen und effektiv und individuell auf deren Lernschwächen eingehen. Eine andere Möglichkeit wäre es, die Schüler schon in frühen Jahren gezielt auf ihren späteren Berufsweg vorzubereiten und individuelle Talente zu fördern, die ihnen in ihrem Beruf hilfreich sein könnten. Dieses System, das  Ausbildung und Schulbildung explizit koppelt wird schon in einigen Schulen erfolgreich durchgeführt und könnte die festgefahrenen Strukturen auflockern.

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4.4 / 5 Sternen (28 Bewertungen)
  • Autor: M.P.
  • Fach: Geschichte
  • Stufe: 1. Semester (Uni)
  • Erstellt: 2008
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 12.08.16

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  • lienchen schrieb am 15.10.2014:

    Nicht schlecht Herr specht geil ich hab meine Hausaufgaben:-D

  • Niklas schrieb am 23.06.2013:

    wirklich sehr hilfreiche informationen danke

  • D.F. schrieb am 16.06.2013:

    sehr hilfreiche punkte für meine debatte
    vielen dank

  • eCowned ? | <3 schrieb am 07.03.2013:

    thx,
    die Seite hat mir echt geholfen richtig chillg bro

  • moinsn schrieb am 26.02.2013:

    Danke,
    die Seite hat mir sehr für meine Deutscharbeit geholfen

  • hey du! schrieb am 24.02.2013:

    danke, diese Seite hat echt geholfen.

  • superman schrieb am 21.02.2013:

    weg mit dem dreck

  • z3ro schrieb am 20.08.2012:

    ich liebe diese seite . vielen dank für deine Mühe , du hast mir echt geholfen und das nicht einmal

  • Sophie schrieb am 17.06.2012:

    es ist ziemlich hilfreich da sehr viele nützliche punkte darin stehen. danke :)

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