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Hospitationsbericht einer Förderschule

Inhaltsverzeichnis

Hospitationsbericht zum Kurs "Sonderpädagogisches Orientierungswissen"

 An der  „Förderschule Groß Köris“ mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Emotionale und soziale Entwicklung“

(wg. Ausgestaltungsgründen größtenteils frei erfunden und verändert, Text dient lediglich als Mustervorlage für weitere Praktika!)

Gliederung:

1. Aller Anfang ist schwer

2. Die Schule, meine Klasse und Ich

2.1          Allgemeines und wichtiges zur Schule

2.2          Schüler und Lehrer – funktioniert das?

2.3          Eindrücke, Gedanken und Gefühle 

3. Empirische Beobachtungen im Verhalten der Kinder

4. Fazit

 

1. Hospitationsbericht - Aller Anfang ist schwer

Die Wahl der „richtigen“ Schule für dieses Praktikum fiel mir nicht einfach. Ich suchte Rat bei Eltern und Verwandten, klingelte mich überall durch. Leider waren nur wenige bereit, einen Ein-Tages-Praktikanten zu nehmen. Schließlich empfahl mir eine Bekannte meiner Mutter die Förschule für Grundschulkinder in Groß Köris (Brandenburg, 15746). Nach wenigen Telefonaten mit der Leiterin vereinbarten wir einen Termin für Montag den 2. März – ich wollte unbedingt zu Wochenbeginn antreten, um den Ablauf der Einrichtung von Anfang an mit zu verfolgen.

Trotzdem stellten sich viele Fragen im Hospitationsbericht.

Wie gestaltet sich für mich der Umgang mit geistig behinderten Schülern? Wie soll ich mich verhalten? Was kann alles „schief“ gehen? Aufgrund meines Zivildienstes als Betreuer in einer Integrationskita kannte ich mich recht gut mit  Behinderten aus und legte meine anfänglichen Bedenken relativ schnell zur Seite. Wie erfahrungsreich der Tag werden sollte, konnte ich noch nicht ahnen.

2. Die Schule, meine Klasse und Ich (Hospitationsbericht Beginn)

2.1 Allgemeines und Wichtiges zur Schule

Die Förderschule in 15746 Groß Köris aus der Gartenstraße 12 (Tel. 03376/ 41754) wurde bereits 1962 gegründet – damals noch als „normale“ Grundschule. Mit dem wachsenden Bedarf, der zunehmenden Akzeptanz und empirischen Erforschung von der gesellschaftlichen Norm abweichender Verhaltensmuster, entschied man 1991 den Umbau des Hauses in eine Förderschule bis zur 10. Klasse mit den Schwerpunkten „Emotionale und Soziale Entwicklung“.

Die Sanierung und der Umbau dauerten fast 2 Jahre bis schließlich alle Räume, Flure, Treppen, Aufzüge und natürlich auch Bäder und Toiletten behindertengerecht hergerichtet waren.

Neben den modernen Klassenräumen fallen  vor allem die vielfältig ausgestattete Werkstatt, der „Sprechraum“ und ein großer, mit allerlei ergotherapeutischen Geräten ausgestatteter Sportraum.

In einem erst 2003 fertig gestellten Nebengebäude befinden sich ein Raum für Bewegungstherapeutische Maßnahmen sowie weitere Klassen- und Lernräume, um den zunehmenden Bedarf zu decken .

Das umliegende Grundstück umfasst einen Schulgarten und ein Spielfeld mit großem Spiel- und Sportplatz, außerdem bietet der umliegende Wald Gelegenheiten für Ausflüge und Wanderungen.

Laut meinem Hospitationsbericht müssten zahlenmäßig derzeit 104 Schüler in 14 Klassen bei 30 festangestellten Sonderschullherern und 10 flexiblen Mitarbeitern (Physiotherapeuten , Ergotherapeuten, Logotherapeut, …) die Schule besuchen. Dabei lernen  die Schüler in Klassen mit fünf bis 10 Kindern entsprechend ihrer Altersstufe unter der Obhut zweier LehrerInnen teilweise Alters unabhängig zusammen. Darüberhinaus ist derzeit ein Zivi tätig (Sven), ebenfalls 2 Hausmeister und das Küchen- und Büropersonal.

2.2 Schüler und Lehrer – funktioniert das?

Als erstes fragte ich mich natürlich, wie denn nur ein „guter Unterricht“ unter solchen (womöglich undisziplinierten) Schülern zustanden kommen soll, was die Lehrkraft bei Unruhe tut und wie das Ganze überhaupt funktionieren soll, war mir unklar. Schnell wurde ich eines besseren belehrt – die Schüler zeichnen sich zwar durch unterschiedliche Erscheinungsbilder von geistigen und körperlichen  Behinderungen über Verhaltensstörungen bis zu starken Persönlichkeitsstörungen aus, jedoch scheint der Unterricht auf seine Art meist reibungslos zu funktionieren (später mehr dazu).

Die Beeinträchtigungen sind also in differierenden Graden vorhanden und die genannten Formen können verbunden sein mit Sinnes- und Körperbeeinträchtigungen, mit Anpassungs- und Verhaltensstörungen, Störungen im emotionalen Bereich, Störungen im autistischen Bereich sowie soziales Fehlverhalten.

2.3. Eindrücke, Gedanken und Gefühle

Zwar hatte ich durch den Zivildienst schon einiges erlebt, aber noch nie Sonderpädagogik und einen Hospitationsbericht in der Schule erlebt. Nach anfänglicher Zurückhaltung öffnete ich mich mehr und mehr und ein direkter Kontakt zu den Kindern wurde möglich. Man merkt, wie barmherzig und liebevoll schon im Grundsatz diese kleinen Wesen sind – anders als ihre „normalen“ Altersgenossen geht es meist friedlich und harmonisch zu, ein Ausgrenzen existiert nicht. Kommt es aber zu einer Spannung und / oder sogar Streit, entlädt sich die angestaunte Wut impulsiv explosionsartig, sodass mit Fuß und Faust nach allem gezielt wird, was in Reichweite ist – sowohl Lehrer als auch Praktikanten.

In meiner im Hospitationsbericht gen. Klasse lernen derzeit 10 Kinder, 5 Mädchen und 5 Jungen im Alter von 9 bis 11 Jahren. Der größte Teil der Schüler lernte von Beginn an in dieser Klassenzusammensetzung. 2 Mädchen kamen zu Beginn der 2.Klasse, ein Junge zu Beginn der 3. Klasse hinzu. Sie wurden freundlich in der Klassengemeinschaft aufgenommen.
M2. (Abkürzung für Namen der Kinder der Anonymität wegen verwendet) hatte anfangs große Schwierigkeiten, Verhaltensnormen einzuhalten. Diese Probleme konnte sie bis heute nicht ganz abbauen, jedoch verringern.

Im Allgemeinen herrscht in der Klasse ein angenehmes und ausgeglichenes Klima. Meinungsverschiedenheiten werden offen ausdiskutiert, seltenst kommt es zu Streit oder Konflikten. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich über einen sich in der Klasse befindenden Briefkasten zu schreiben, sodass verbal-Eskalationen vermieden werden können. Klassensprecherin ist C.. Sie trägt oft zu fairen Gesprächen untereinander bei, neigt aufgrund guter Lernleistung aber zu Überheblichkeit und Arroganz, was auf allgemeine Ablehnung stößt und manchmal zu Konflikten unter den Mädchen führt. Allerdings leidet sie unter AD(H)S , wodurch ihre Konzentration „unberechenbar wie Aktienkurse umschlagen“ kann, so Klassenlehrerin Frau Darms.

Die Möglichkeit der Partner- und Gruppenarbeit nehmen die Schüler gerne an. Durch die gegenseitige Kontrolle und Stimulation kommen sie zu erfolgreichen Lernergebnissen. Die Hilfe untereinander ist für sie selbstverständlich geworden – auch das ist in meinen Augen ein Fortschritt zu „normalen“ Schulen.
Das Leistungsvermögen, das Tempo und die Intensität der Arbeit ist in der Klasse sehr unterschiedlich strukturiert, wenn auch individuelle Förderschwerpunkte anheim fallen und hier im Hospitationsbericht hervorgehoben werden sollen.

 Während S2., D., S. und teilweise auch A., C. und M2. besonders effektiv und selbständig arbeiten können, weisen F., N2., N. und M. große Konzentrationsschwächen auf. Ihnen gelingt es nicht, wesentliches von unwesentlichem zu trennen und logische Zusammenhänge herzuleiten. Hier ist eine differenzierte Arbeitsweise nötig.
D. und M. haben sprachliche Auffälligkeiten. D. hat Probleme bei der lautgetreuen Bildung des S-Lautes. Bisher konnte Sprachförderung keinerlei Erfolge erzielen, da D. nicht bereit ist, die verabredeten Sprechregeln einzuhalten.

Schließlich sei in diesem Hospitationsbericht angemerkt, dass mir die ausschließliche Präsenz von weiblichen Lehrkräften ins Auge fiel. Ich glaube, dass hier (wie in den Kitas) aber männliche Bezugspersonen notwendig sind, sowohl für die Kinder als auch das Kollegium (Stichwort „Zickenwirtschaft“, alles schon erlebt).

3. Empirische Beobachtungen im Verhalten der Kinder

Sonderpädagogischer Förderbedarf mit dem Schwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung ist ja vor allem bei Kindern und Jugendlichen anzunehmen, die auf Grund von Beeinträchtigungen der emotionalen und sozialen Entwicklung, des Erlebens und der Selbststeuerung erheblich und längerfristig in ihren Bildungs-, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.

Durch eigene Beobachtungen und Gespräche mit den Fachkräften, konnte ich folg. Erhebliche Auswirkungen dabei feststellen:
-    Verlust an Geborgenheit und Vertrauen,
-    Mangel an positiver Orientierung und Autorität,
-    Unklarheit von Strukturen,
-    Vernachlässigung und Ausgegrenztsein,
-    zu wenig Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung,
-    erhebliche Umweltbelastungen,
-    kritische Lebensereignisse,
-    organische Bedingungen.

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Ungünstige Entwicklungsbedingungen und defizitäre Lebenserfahrungen können nachhaltig die Erlebens- und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen, die als von gesellschaftlichen Normen abweichend wahrgenommen werden können. Die gesellschaftliche Wahrnehmung ist allerdings abhängig von den Normen der Betrachter und unterliegt einem stetigen Wandel. Abweichendes oder herausforderndes Verhalten zeigt sich in einer Vielzahl von Erscheinungsformen und in individuell außerordentlich unterschiedlicher Weise.

Unter anderem konnte ich folgende Erscheinungsformen auffälliger Verhaltensweisen wahrnehmen:
-    übersteigerte Aggressivität bis zur Autoaggression,
-    unkontrollierte Gefühlsäußerungen,
-    motorische Unruhe und Impulsivität,
-    fehlende Selbststeuerung,
-    ausgeprägte Labilität,
-    Bindungsschwäche,
-    Vermeidungs- und Fluchtverhalten,
-    Verunsicherung und ängstliches Zurückgezogensein,
-    Verharren in Passivität,
-    ausgeprägtes Gehemmtsein.

Auffällige Erlebens- und Verhaltensweisen bilden sich vor allem als Folge einer inneren Erlebens- und Erfahrungswelt heraus und zeigen sich in Interaktionsprozessen im persönlichen, familiären, schulischen oder gesellschaftlichen Umfeld.

Sie sind nicht auf unveränderliche Eigenschaften der Person zurückzuführen. Die Verhaltensweisen sind aber nicht nur individuelle Probleme eines Kindes oder Jugendlichen. Sie können auch als subjektive Problemlösungen verstanden werden und Hinweise auf vorhandene Konflikte geben. Diese können im Verhältnis der einzelnen Person zu sich selbst oder zu ihrer psychosozialen und sächlich-räumlichen Umwelt begründet sein.
Hierbei ist die sonderpädagogische Förderung in erster Linie auf die Weiterentwicklung der differenzierten Fähigkeiten zu emotionalem Erleben und sozialem Handeln gerichtet. Sie unterstützt und begleitet diese Kinder und Jugendlichen durch ein Angebot spezifischer Hilfen, um

Schließlich ist festzuhalten, dass mir schon das Beobachten der Kinder und einschätzen der „Problemkausalitäten“ Schwierigkeiten bereitete, ich daher meinen höchsten Respekt den Lehrern dieser Einrichtung widme!

4. Fazit des Hospitationsberichts

Schülerinnen und Schüler mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf im Schwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung benötigen Hilfe und Unterstützung, um sich in angemessener Weise entwicklungsfördernd mit sich selbst und ihrer psychosozialen Umwelt auseinander zu setzen, schulischen Anforderungen zu entsprechen und dem Bildungsgang folgen zu können!
Wird diesem positiven Entfaltungsdrang gesellschaftliches Desinteresse entgegengebracht, schadet sie (die Gesellscahft) sich nur selbst. Zur Achtung aller Mitmenschen gehört eben auch, Möglichkeiten zur (Aus)Bildung selbiger zu schaffen. Dass das in heutiger Zeit ansatzweise geschieht, dass heute zumindest ansatzweise das Problem der gesellschaftlichen Abhängigkeit aller von allen auch in dieser Richtung erkannt wird, stimmt mich positiv.

Persönlich bin ich in diesem Hospitationsbericht der Auffassung, dass so wenig bis garnichts für den sonderschulischen Bedarf getan wird (im Vergleich), da es (wirtschaftlich) keinen „nutzen“, keinen „profit“ aus solchen Einrichtungen für die Konzerne und Geldgeber gibt. Solange wir also im Kapitalismus leben,  solange also Profitinteresse das Handeln bestimmt, ja solange wird es stets Mangel an Verfügbarkeit und auch Akzeptanz sonderpädagogischer Inhalte geben.

Erfahrungsmäßig war der Tag enorm wertvoll und kostbar, viele neue Eindrücke wurden gewonnen, alte Klischees überwunden und einfach ganz neues Terrain betreten – auch wenn ich jetzt nicht Sonderschullehrer werden möchte, so bin ich doch froh dieses Praktikum absolviert zu haben und wichtige Erfahrungen gesammelt zu haben!

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4 / 5 Sternen (10 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Pädagogik
  • Stufe: Universität (Bachelor Studium)
  • Erstellt: 2009
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 18.08.16

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