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Orientierungspraktikum in der Grundschule

Inhaltsverzeichnis

Hospitationsbericht bzw. Praktikumsbericht zum Orientierungspraktikum an einer Grundschule 

Aufgabe war, ein Orientierungspraktikuman einer Schule zu absolvieren, um so einen Hospitationsbericht bzw. eben Praktikumsbericht zum Praktikum vorzulegen. Der hier zu lesende Text ist lediglich ein fiktiver Mustertext um Praktikumsberichten eine Inspirationsquelle zu sein. Weder die geschilderten Vorfälle, noch genannte Personen entsprechen einer realen Grundlage.

Seminar: Einführung in die Schulpädagogik

Gliederung:

1.      Einführung und Vorwort

2.      Plan der hospitierten Stunden

3.      Das Hospitationspraktikum

3.1         Kurzportrait der Praktikumsschule

3.2         Beobachtungen pädagogischer Situationen

4. Individueller Hospitationsschwerpunkt

4.1 Hospitationsprotokolle

4.2         Zusammenfassender Katalog der beobachteten Gesamtheit aller Stunden

4.3         Auswertungsbericht

5.      Resümee und Fazit

Literaturverzeichnis

1.   Einführung und Vorwort zum Hospitationsbericht

Dieser Praktikumsbericht über meine Erfahrungen einer nicht näher beschriebenen „Grundschule“ zum Orientierungspraktikum im Fachbereich Schulpädagogik soll neben einer Vorstellung dieser Schule auch persönliche Einschätzungen, Erlebnisse und durch wissenschaftliche Literatur erläuterte Beobachtungen sowie die Abhandlung meines individuellen Hospitationsschwerpunktes enthalten.

Aus selbstverschuldeten Versäumnisgründen schaffte ich es gerade noch durch persönliche Beziehungen, an einer  Grundschule fristgerecht Anschluss zu finden, statt an einem Gymnasium zu hospitieren. Da ich aber auf einen Gymnasiallehramtsabschluss hin steuere, ist dies ein wenig schade. Schon während des Zivildienstes in einer Integrationskita hat man mir nach wenigen Wochen eine eigene Gruppe von 20 Kindern  überstellt. Ich fühlte schnell, dass es schon eine Art Berufung für mich darstellt, Jüngeren, Schwächeren zu helfen. Dabei bereitet mir die Vermittlung von Wissen besondere Freude, sodass ich bereits in der Kita anfing, die Kleinen zu „unterrichten“ –  bspw. Mittels Äpfeladditionsaufgaben und Buchstabenlernen via Tiernamen. Bei einem der angehenden Schulkinder (6 jahre) – das werde ich nie vergessen – hat dieses tägliche Training (vor dem Essen, Schlafen, ..) anscheinend so sehr gefruchtet, dass es bereits das kleine 1 x 1 (!) beherrschte  sowie beliebige Texte  vorlesen konnte. Dazu muss ich sagen, dass ich natürlich auch nur das getan habe, was die anderen Erzieherinnen vormachten – dieses Vorschultraining müsste aber bundesweit eingeführt werden, die Kinder hatten allesamt Spaß daran und es führte zu enormen Erfolg, worauf man exzellent aufbauen könnte.

Dementsprechend gut und relativ problemlos verlief auch dieses Praktikum an der Grundschule. Ich war in der ersten Woche in der 6. Klasse und in der zweiten Woche in der 3. Klasse zu Gast. Meistens saß ich wie gedacht ruhig beobachtend da, manchmal aber musste ich einfach aufstehen und während Stillbeschäftigungsarbeiten kontrollierend umhergehen, was die Lehrerin stets begrüßte.
Nichts desto trotz zeigte mir dieses Praktikum, wie eigentlich auch erwartet, dass die Grundschule zwar als Lehrer für mich kein Problem darstellen würde (die meisten schrecken ja vor den Kindern an sich zurück), allerdings auch keine besondere Herausforderung und Erfüllung meiner Vorstellung von Wissensvermittlung komplexer Sachzusammenhänge. Dies ist schlicht unmöglich - zumal es einen Bildungs- und Wertenotstand bei der Jugend zu geben scheint, worauf ich später noch eingehen werde. Daher denke ich, ist ein Gymnasium für meine Vorstellung von Lehre und Lehren die optimalste Arbeitsgrundlage.

Bei der Frage nach dem individuellem Hospitationsschwerpunkt für das Orientierungspraktikum setze ich den Akzent bei der Schüler-Lehrer-Interaktion, speziell mit dem Schwerpunkt der Unterrichtsstörungen. Daher lautet meine Leitfrage „Unterrichtsstörungen – was kann beobachtet und wie vermieden werden?“. Dazu interessiert mich, was überhaupt als „Störung des Unterrichts“ wahrgenommen wird, welche Faktoren dies beeinflussen. Gibt es präventive Maßnahmen, wie kann ich (als Lehrer) Störungen im Vorfall erkennen und entschärfen? Sind bestimmte Unterrichtsstörungen abhängig von der Lehrerpersönlichkeit, vielleicht auch:  wird bestimmtes Verhalten des Lehrers als unterrichtsstörend empfunden wahrgenommen (von den Schülern) ?

2.   Plan der hospitierten Stunden im Praktikum

In den 10 Hospitationstagen habe ich täglich 4 Stunden hospitiert. Im Folgenden eine tabellarische Auflistung der absolvierten Stunden und Fächer.


Zeitplan der 6. Klasse:

 

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

  1. Stunde

D

Ma

Sport

Sport

Ma

  1. Stunde

D

Geo

Ma / D

Ma

D

  1. Stunde

Sport

Musik

Ma / D

Phy

Eng

  1. Stunde

Ma

Phy

Ge

Kunst

Bio

 

Zeitplan der 3. Klasse:

 

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

  1. Stunde

D

Ma

 

D

Ma

  1. Stunde

Ma

D

 

D

D

  1. Stunde

Musik

Sachkunde

Ma

Ma

Mu

  1. Stunde

 

 

Schwimmen

Eng

kunst

 

 

 

Schwimmen

 

 

 

 

 

Schwimmen

 

 

3.   Das Hospitationspraktikum

3.1 Kurzportrait der Praktikumsschule

(wg. Ausgestaltungsgründen ist dieser Punkt  größtenteils stark verändert, Text dient lediglich als Mustervorlage für weitere Praktikumsberichte!) 

Die Grundschule ist eine offene Ganztagsschule mit Angeboten, welche von Montag bis Donnerstag bis 16:00 Uhr in Anspruch genommen werden können. Sie ist einzügig und mit derzeit 10 Lehrerinnen bei ca. 130 Kindern recht gut besetzt. Allgemein macht diese Schule schon beim ersten Besuch einen sehr modernen Eindruck, da neusaniert, und auch die Ausstattung der Fachräume ist auf einem top Niveau sowie der große Schulhof von geschätzten 3000m² ist zwar leicht unüberschaulich, aber doch einzigartig für die Kinder.

Die Ganztagsangebote umfassen nicht nur zahlreiche AGs sondern auch als besondere Einrichtung das Hausaufgabenzimmer. Hier wird den Schülern jeden Tag die Möglichkeit geboten, ihre Hausaufgaben unter Aufsicht eines Lehrers zu lösen.

Eine integrative Schuleingangsphase, die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Sonderpädagogen sowie der gemeinsame Unterricht stehen im Interesse von Lehrern, Schülern und Eltern. Des Weiteren findet eine zusätzliche Förderung von Migranten und lernschwächeren Schülern regelmäßig in Kooperation mit verschiedenen Einrichtungen  statt.

Die erste Fremdsprache, welche ab der ersten Klasse unterrichtet wird ist auf freiwilliger Basis Englisch. Ein weiterer Schwerpunkt ist die aktive Mediennutzung ab  der vierten Klassenstufe. In der angegeben Klassenstufe sollten unter anderem laut dem Rahmenlehrplan in folgenden Kompetenzen und Fähigkeiten zur Computernutzung ausgebildet sein:

- den Internetbrowser starten und beenden, Webadressen nutzen, in Hypertexten navigieren, in Suchmaschinen recherchieren, Zeichenwerkzeuge zur Erstellung eigener Bilder nutzen, Bilder öffnen, kopieren und Speichern uvm.

Charakteristisch für diese Grundschule sind Arbeitsgemeinschaften wie zum Beispiel Sport- oder Tanz- AGs, das Vorhandensein von Fachräumen für Biologie, Physik, Wirtschaft- Arbeit- Technik, Englisch und Kunst sowie eine eigene kleine, aber hochmoderne Sporthalle, ein Computerkabinett und mehrere Integrationsräume, die durch das Vorhandensein von Lehrmaterialien für Lernbehinderungen gekennzeichnet sind.  Die Höhepunkte des Schuljahres werden stets originell und kreativ von Schüler Lehrern und Eltern vorbereitet. Dazugehören die Einschulung, der Halloween- Umzug, Schulfasching, das Schulfest und der traditionelle Weihnachtsmarkt. Dass das Miteinander in dieser Schule ein großes Thema ist, wird bei solchen Veranstaltungen deutlich.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Teilnahme an der Mathematikolympiade, an Literatur- und

Vorlesewettbewerben sowie an temporär gestalteten schulinternen bzw. schulexternen Wettbewerben.

Die Schule wird von Schülern aller sozialen Schichten besucht, welches die Integration sozial benachteiligter Kinder positiv fördert, wobei die ländliche Lage ein etwas höheres Sozialaufkommen im Durchschnitt beding. Die Zusammenarbeit mit den Sonderpädagogen gestaltet sich als äußerst hilfreich und erfolgreich. Auf Toleranz und Respekt wird in dieser Grundschule besonders viel Wert gelegt. Probleme werden offen angesprochen und geklärt. Die Schüler sind hilfsbereit und bereichern ihre Umgebung mit ihrer unbeschwerten und unvoreingenommenen Art. Natürlich gibt es auch Streitigkeiten und zank, was aber meist selbständig von jung (1. Klasse) und alt (6. Klasse) geklärt wird.
Sehr auffällig und positiv zu beurteilen ist das friedliche Miteinander aller Klassenstufen. Beispielsweise treten 20 Jungs unterschiedlichen Alters und Klassenstufe beim Fußball an. Dazu bilden sie untereinander gemischte Teams und legen einen kurzen Turnierverlauf fest. Dann spielen immer nur 3 gegen 3 statt alle 20 auf einen Haufen – dieses Organisationsvermögen beeindruckte mich persönlich sehr stark, denn  in meiner Zeit war dies undenkbar. Dort gab es wahrhaftige Klassenkämpfe, von friedlichem Miteinander war höchstens in einer Schneeballschlacht die Rede.

Schließlich möchte ich noch auf ein Unterrichtsdokument zusprechen kommen, welches ich leider nicht anfügen, aber gut beschreiben und bewerten möchte. In der 6. Klasse nämlich schrieben wir einen Mathetest über Brüche. Ich war sehr schockiert über die infantilen Aufgabenstellungen und zugleich dem Alter unangebrachte Zumutungen. Beispielsweise sollten die Kinder einfachste Brüche wie ½ als Apfel malen, andererseits aber sollten sie exakte halbwissenschaftliche Erläuterungen der mathematischen Begrifflichkeiten  aus dem Lehrbuch wie Dezimalbruch, gemeiner Bruch, Zehnerbruch etc schriftlich ausformuliert auf dem Arbeitsblatt niederschreiben. Eine kuriose Mischung – begreift doch schon ein 1. Klässler dass ein Apfel nach der Teilung in 2 Hälften zerfällt und wiederum begreift meines Erachtens nach erst ein 8. Klässler diese komplexen Zusammenhänge. Kommt doch Dezimalbruch von Dezimalsystem, könnte man meinen und fragt ein Schüler nach. Die Lehrerin weicht aus, weiß keine Antwort. Solch hochgestochene Erläuterungen begreifen die Schüler nicht, stellen Fragen und stehen dann noch „dümmer“ da.

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3.2 Beobachtungen pädagogischer Situationen im Hospitationspraktikum

Im Folgenden habe ich 3 fiktive pädagogische Situationen beschrieben und mit Überschriften versehen. Es geht dabei stets um „aufmüpfiges Verhalten“.

ENTFERNT

4. Individueller Hospitationsschwerpunkt

Bei der Frage nach dem individuellem Hospitationsschwerpunkt für das Orientierungspraktikum setze ich den Akzent bei der Schüler-Lehrer-Interaktion, speziell mit dem Schwerpunkt der Unterrichtsstörungen. Daher lautet meine Leitfrage:

„Unterrichtsstörungen – was kann beobachtet werden?“

Dazu einige „Unterfragen“:

  1. Was wird überhaupt als „Störung des Unterrichts“ wahrgenommen?
  2. Welche Ursachen liegen vor?
  3. Wie kann ich als Lehrer Störungen erkennen und entschärfen?

4.1 Hospitationsprotokolle

Im Folgenden habe ich zwei, den individuellen Hospitationsschwerpunkt betreffende Protokolle angefertigt.

ENTFERNT

4.2   Zusammenfassender Katalog der beobachteten Gesamtheit aller Stunden

Zusammenfassend ist hier zu konstatieren, dass die Schüler-Lehrer-Interaktion in diesen beiden Klassen überwiegend harmoniert und funktioniert, „sie lernen was“. Negativ feststellbar aber ist, dass die Schülerschaft eine radikale Entwicklung vollzogen hat und womöglich immer noch vollzieht. Dies drückt sich vor allem in unzureichendem Respekt gegenüber eigentlichen Autoritätspersonen aus. Da ist der Jargon der gleiche wie beim Kumpel, da herrscht ständig allgemeines Gemurmel, Unruhe und „Lachsigkeit“ statt aufmerksamen Zuhörens.
Ich denke hier helfen auch keine autoritären Lehrerpersönlichkeiten weiter. Sie beißen auf Granit. Das Motto der Lehrer lautet stets „Alles kann, nichts muss.“. Noch zu meiner Zeit hieß es „Alles kann und muss es auch.“. Diese Entwicklung ist doch sehr erschreckend, worauf allerdings noch eingegangen wird. Weiterhin ist das Beobachten dieses und der anderen geschilderten Phänomene höchst eindrucksvoll und lässt mich das Themenfeld der Pädagogik unter einem neuen Licht betrachten. Pädagogisches Handeln erfolgt also in sozialer Unmittelbarkeit und  somit ergibt sich eine eigentümliche, menschliche Beziehungsstruktur, die wir „pädagogischen Bezug“ bezeichnen. (vgl. auch Giesecke H. Pädagogik als Beruf: Grundformen pädagogischen Handelns S.112)

4.3       Auswertungsbericht

In meinem Auswertungsbericht werde ich zunächst allgemein „guten Unterricht“ versuchen darzustellen, dieses Konstrukt dann mit dem Gesehenen bewertend vergleichen. Anhand dieser Ergebnisuntersuchung werde ich während dieses Vergleiches und speziell danach genau auf die genannten Thesen eingehen und einfach meinen Gesamteindruck erläuternd darstellen.

In  allen Beobachtungen habe ich festgestellt, dass den Grundschullehrern noch mehr Aufgaben zugetragen werden als es in den festgelegten Bildungsstandards der Fall ist. Meiner Auffassung nach beeinträchtigt dies massiv Wechselbeziehung der Lehrer-Schüler-Interaktion im negativen Sinn, worauf ich später nochmals genauer eingehen werde.
Ein guter Lehrer zeichnet sich ja laut Meyer durch die klare Strukturierung des Unterrichts, durch gutes Zeitmanagement und eine Rhythmisierung des Tagesablaufs und durch inhaltliche Klarheit aus, wobei die Verständlichkeit der Aufgabenstellungen und die Ergebnissicherung im Vordergrund stehen (vgl. Meyer H. Was ist guter Unterricht 2004 S. 17f.).  Hierbei bietet eine gewisse Methodenvielfalt die Grundlage. Des Weiteren sollte der Lehrer ein lernförderliches Klima schaffen indem er Regeln aufstellt und auf gegenseitigen Respekt und Gerechtigkeit achtet. Die Lehrer-Schüler-Interaktion (zukünftig mit LSI abgekürzt) lebt von diesen Grundsätzen, ein menschliches Miteinander rundet die Sache ab. Den Schülern ein Feedback zu geben und sie in Unterrichtsplanung mit einbeziehen bildet ebenfalls einen Aufgabenbereich, der vom Unterrichtsleiter nicht vernachlässigt werden sollte.

Dennoch trägt auch eine individuelle Förderung zum Lernerfolg bei, stärkt so die LSI auf zwischenmenschlicher Basis. Lernschwache Schüler können ihre Defizite verringern indem sie dafür ausgelegte Aufgaben bearbeiten und lernstarke Schüler können durch niveauvollere Aufgaben  gefördert werden. Dies haben alle Lehrerinnen zu beherzigen versucht, tlw. sind die Lehrbücher schon darauf zugeschnitten. Beispielsweise sind in einem Mathebuch der 3. Klasse blau markierte Zusatzaufgaben unter jeder allgemeinen Aufgabe(nstellung), die freiwillig von Leistungsstärkeren zu erledigen sind, manchmal aber auch bewusst vom Lehrer verteilt „Man kennt ja seine Pappenheimer“ (Frau U.). Durch diese Aufgabenbereiche kann die Transparenz des Lernfortschritts eingehalten werden (vgl. auch Meyer H. 2004 S. 17 & 114).

Eine funktionale Einrichtung der Klassenräume und eine vorhandene Ordnung bieten den Vorteil einer vorbereiteten Umgebung, die das schulfähige Kind annehmen und bearbeiten kann (vgl. Meyer H. 2004, S.17- 18). Dies war überdurchschnittlich oft der Fall, alle Unterrichts- und Fachräume wurden über die Sommerferien renoviert, das Gebäude saniert und modernisiert, sodass es auch laut Aussage von der Schulleiterin eine wirklich einzigartig gemütliche Schule darstellt. Die Klasse  an zuleiten und sie zum Lernen motivieren gehört nach den oben genannten Anforderungen zur Grundaufgabe der lehrenden Person. Die Lehrkraft  müsse in der Lage sein, mit der der Klasse zu sein und alle Geschehinsse zu erfassen. Sie muss mehrere Ereignisse auf einmal bearbeiten und übergreifend die Probleme lösen (vgl. Becker G. Unterricht auswerten und beurteilen 2007 S. 118 & 124), also recht flexibel sein. Hier hapert es doch bei so manchem „alten Eisen“ wie mir schein – hat doch immerhin niemand eine Antwort wenn die Kids berechtigterweise nach weiterführenden Internetadressen fragten. Soviel Zeitgeist muss schon sein, im Großen wie im Kleinen. Gibt es mehrere Brandherde, bspw. Marcus  möchte etwas dringend fragen, Steffen aber ruft ständig dazwischen, Luise schnattert hinten und Florian fällt vor Kippeln fast vom Stuhl was Nadja zum Lachen bringt. Hierbei scheint es hilfreich, Aktivitäten bis zum Ende konstant durchzuführen und nicht unnütz Unterbrechungen zuzulassen, zB dämliche Zwischenrufe ignorieren um dem so keine Aufmerksamkeit und damit Gefallen zu schenken.

Die Aufmerksamkeit ist immer auf die ganze Klasse gerichtet und verweilt nicht zu lange auf einzelnen Kindern. Entscheidend ist die Motivation der Schüler. Diese kann durch Enthusiasmus der Lehrerin gesteigert werden - die Schüler erfreuen sich an der besonderen Lernaufgabe, etwas selbst auszutesten und mit der Lehrkraft und den Mitschülern diese Freude zu teilen.

Je vielgestltiger und kreativer der Unterricht ist desto motivierter sind Schüler und es gelingt sich besser auf Lernaufgaben zu konzentrieren. Diese Präventionsmaßnahmen  für die Bewältigung von Disziplinproblemen wurden von Kounin aufgestellt (vgl. Dubs R. 1995, S.430) . Es sind nicht nur Maßnahmen zur Prävention, sondern auch Anhaltspunkte für guten Unterricht. Sind die Schüler motiviert und engagiert, so treten keine Disziplinprobleme auf. Die Motivation und Redebeiträge erhöhen sich dort, wo Schüler konkret Themen verändern und gestalten können (vgl. Wragge-Lange 1983 S.128).

Entscheidend dabei ist  selbstverständlich das Lehrer- Schüler- Verhältnis. Immerhin liegt die Schüler-Lehrer-Interaktion auf  Platz 5 bei der Rangfolge des Einflusses auf den Lernerfolg
(vgl. Meyer H. 2004 S. 35f.).  

 Ist der Lehrer nicht einfach nur Lehrer sondern auch eine Bezugsperson, die die Schüler als eine Art Freund annehmen können, gestaltet sich der Unterricht als besonders effektiv (vgl. Becker G.  2007 S. 175). Besonders in Klassen mit sozial schwachen Schülern, gelingt es einem Lehrer nur schwer an die Schüler heranzukommen und ihnen den Unterrichtsstoff zu vermitteln. Resignation der Kinder steht dann meist im Vordergrund des Geschehens.
Dies gilt zu vermeiden.

Ebenso zu vermeiden sind Unterrichtsstörungen und unkontrollierte Selbstläufertendenzen einer nicht beherrschbaren Klasse – der größte Alptraum eines jeden Lehrers. Dieser Thematik möchte ich mich nun spezieller widmen.

Es stellt sich die Frage, was überhaupt als „Störung des Unterrichts“ wahrgenommen wird.
Meiner eigenen Erfahrung und der Einschätzung nach dem Praktikum zu urteilen, ist die wohl häufigste Störung die von mir benannte UGU („allgemeine Unruhe, Gequatsche, Unkonzentriertheit“). Die Sachliteratur hält sich mit fundierten Modellen oder stichhaltigen Theorien dazu spärlich zurück. Nichts desto trotz werden wir diese Fragen treffend zu beantworten versuchen. UGU entsteht unabhängig der verschiedenen Lehrer-Persönlichkeiten wie wir sie von Gudjons kennen. Während meiner Hospitation fiel mir auf, dass dieses Phänomen in allen Altersstufen anzutreffen war. Wenn wir nach den Ursachen forschen, so liefern uns zwar Bärsch (1978), Myschker (1999) und Palmowski (2002) einige Theorien, doch überzeugend sind diese nicht. Da gibt es zB. den biophysischen Ansatz, der uns weiß machen möchte, dass hier Instinkte am Werk sind, alles genetisch bedingt sei. Ferner ist da der kommunikationstheoretische Ansatz, humanpsychologische Ansatz, lerntheoretische Ansatz, kognitivistische Ansatz, didaktische Ansatz usw usf. Wir wollen nicht redundant diese ganzen Denkanstöße wiederholen, sondern eigene Überlegungen anstellen. Ich sprach mit vielen Lehrern über dieses Problem und hörte oft das gleiche – es sei eine seit mehreren Jahren abzuzeichnende allgemeine Entwicklung. Ihrer Meinung nach liegen die Ursachen in ungesundem Medienkonsum („mediale Verwahrlosung“ und Reizüberflutung), Nachlässigkeit der Eltern und gesellschaftlichem Fehlinteresse an Bildung (laut OECD-Studie von 2007 gibt Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Ländern zu wenig Geld für Bildung aus). Schließlich sei angemerkt, dass Barbara Jürgens (2000) einen sehr schönen, tabellarischen Vergleich über die Entwicklung der Ursachen anhand von Lehrerbefragungen seit den 80ern liefert. Leider habe ich nur diesen schlechten Auszug dazu gefunden, möchte ihn Ihnen aber nicht vorenthalten da hoch interessant:

Sehr schön zu erkennen ist, dass früher die häusliche Situation eine große Rolle spielte, heute eine dramatischere und die Reizüberflutung (stetige Reizakkumulation..) ebenso stark auf über 90% als mögliche Ursachen in Betracht kämen.

Dies bejahe ich, sehe die Ursachen für UGU aber tiefgründiger; und zwar im überholten System der steten Kapitalakkumulation („Kapitalismus“), das uns, den Kindern und unseren Kindeskindern noch auf die Füße fallen wird. Dies erläuternd darzulegen würde mir größte Freude bereiten, soll aber nicht weiter Gegenstand der Diskussion sein.
Nun möchte ich mich der Frage widmen, wie ich als Lehrer Störungen bestenfalls entgegne.

Meinen Beobachtungen nach, gibt es dazu vielseitigste Wege und die meisten davon führen auch nach Rom. Wenn Unruhe herrscht, dann kann es manchmal schon hilfreich sein, den Verursacher namentlich lautstark zu erwähnen: „Steffen“, evtl. mit Zusatzbefehl wie „lass das sein.“. Dies wirkte sehr gut. Ich behaupte: bei größerer Unruhe und „anarchischen Tendenzen“ hilft es, das „Alphatier“ der Truppe namentlich mit Nachnamen aufzurufen und zurecht zu weisen.

Weiterhin kann – vor allem in der Grundschule – bei Unruhe ein individuelles Tonsignal eingesetzt werden. Der Sportlehrer nimmt die Pfeife, die Klassenleiterin den Gong. Ertönt dieses Mahnsignal, wissen die Schüler dass der Zenit bald überschritten ist. Auch dies klappte hervorragend. Weitere Maßnahmen waren: spontane Einzelgespräche („wegnehmen aus der Gruppe“), coolen/witzigen Spruch auf kesse und neunmalkluge Antworten, Ironische Antwort auf unangebrachte Bemerkung, Sitzplanänderung, überhören von Zwischenrufen, ahnden wenn nötig, bis hin zum lauten Schreien/Brüllen wenn nichts mehr geht. Alles in allem heißt die Devise stets „laissez faire“.

5.   Resümee und Fazit des Praktikumsberichts

Abschließend kann ich doch sagen, dass sich die zwei Wochen gelohnt haben. Ich habe gemerkt, dass der Beruf des Grundschullehrers für mich machbar , aber nicht erfüllend genug ist. Ich vermisse die tiefgehende Diskussion, Diskussion überhaupt, komplexe Zusammenhänge sind nicht (ver)mittelbar. Auch ist das Geschrei akustisch belastend.

Dagegen kann ich mir das Amt des Gymnasiallehrers am optimalsten vorstellen, wenn auch eine diesbezügliche Hospitation wie angesagt nicht vollziehbar war. In einem Leistungskurs verspreche ich mir die Verwirklichung meines Bestrebens, komplizierte Lehr- und Lerninhalte effizient zu vermitteln. Das Problem der aufmüpfig Pubertierenden ist eine Herausforderung für alle Lehrer, zumal die Tendenz wie oben beleuchtet ins Negative geht. Dennoch stelle ich mich dieser Herausforderung gern und schaue guten Muts in die Zukunft. Perspektivisch strebe ich vorerst auf den Bachelor, anschließend den Master auf Lehramt zu. Spätere Ämterbekleidung in der Schulleitung ist dabei nicht ausgeschlossen, zumal es einen reizvollen Motivationspunkt darstellt…

Literaturverzeichnis

Becker, Georg E. Unterricht auswerten und beurteilen Beltz; Auflage: 1 , 2007

Giesecke, Hermann Pädagogik als Beruf: Grundformen pädagogischen Handelns Juventa 2007

Meyer, Hilbert Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen Scriptor. 2004

Wragge-Lange, Irmhild Interaktionsmuster im Frontalunterricht: 3 Fallanalysen. 1. Auflage. Weinheim, 1983

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  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Pädagogik
  • Stufe: Universität (Bachelor Studium)
  • Erstellt: 2007
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 06.08.16

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