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Erörterung: Armut in Deutschland

Inhaltsverzeichnis

1.) Inhaltsanalyse zum Text „Werden die Deutschen immer ärmer?“

In dem Text „Werden die Deutschen immer ärmer?“ reflektiert der Wirtschaftswissenschaftler Walter Krämer das Problem Armut und gibt dabei teilweise Lösungsvorschläge.

Er beantwortet die Frage „Werden die Deutschen immer ärmer?“ zunächst mit einem Ja, und stützt sich dabei auf den zweiten Armutsbericht der ehemaligen Bundesregierung. Jedoch zieht er eine zweite Quelle in Betracht, nämlich die Definition der Vereinten Nationen, nach der jeder Mensch als arm zu klassifizieren ist, der mit weniger als einem $ pro Tag zu überleben hat. Demnach schließt er daraus die Schlussfolgerung, dass die Deutschen nicht arm sein können. Als passendes Beispiel gibt er einen Menschen an, der mit 900€ pro Monat in Deutschland  arm wäre, in Kalkutta (Afrika) dagegen mit diesem Betrag ein „Krösus“ sei.
Krämer gibt an, dass man natürlich auch die entsprechenden Lebenshaltungskosten zu bedenken hätte und ist der Meinung, dass der Begriff „Armut“ ein reines Überbleibsel einer weltfremden und widersinnigen Begriffsbestimmung ist.  Diese These stützt er, indem er sagt, man habe sich bei der Definition von Armut lediglich auf das Einkommen beschränkt und gibt als Lösungsansatz das Armutskriterium des Mittelalters an; nämlich hat man dort Armut am Besitz und nicht am Einkommen ermessen.
Zum Besitz bzw. Vermögen gehört nach Krämer auch das sogenannte Humankapital und sagt, dass eine solide Schulbildung Bestandteil des Vermögens ist. ER geht davon aus, dass bspw. Arbeitslose Diplomingenieure und Studenten niemals als arm gesehen, jedoch statistisch als solche erfasst werden.

Weiterhin wird nach seiner Meinung das Einkommen falsch bemessen. So zählen sowohl Arbeitgeberbeiträge als auch reale und monetäre Staattransfers wie Subventionen nicht zum Einkommen dazu, wodurch das reale Einkommen erheblich verfälscht wird. Zudem finden die Einnahmen aus Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit bei der Einkommensberechnung keine Berücksichtigung, wodurch das Einkommen kontinuierlich verfälscht wird. Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) entwickelte dazu 2 verschiedene Skalen. Danach würde eine 5-köpfige Familie der alten Skala zufolge auch bei gutem Einkommen unweigerlich den Armen zu geordnet werden, wohingegen die neue Skala bei Kinderreichtum kulanter ist, sodass die Kinderarmutsquote, dieser Skala zufolge, von 18,6% auf 15% sank.
Krämer kritisiert außerdem die schnelle Verschiebung der Armutsgrenze. So seien viele DDR-Haushalte nach der Wende quasi über Nacht als statistischarm verzeichnet worden. Davon seien aber auch viele „Westbürger“ betroffen, die weniger als 60% des Einkommensdurchschnitts haben und demnach unterhalb der Armutsgrenze liegen. Hierbei wird Krämer bewusst, dass Armut ein Zeugnis von Ungleichheit darstellt. Aufgrund dessen kommt er zu der Schlussfolgerung, dass das Problem der Armut sich einfach lösen lasse, indem man den Besitz der Reichen gleichberechtigt unter Allen aufteilt und dadurch der Begriff Armut aus der Welt  verschwindet...

2.) Interpretation und eigene Bewertung

Walter Krämer beleuchtet den theoretischen und praktischen Umgang mit dem Begriff der Armut in Deutschland und stellt dabei die These auf „(..) Armut [...] ist ein reines Artefakt einer völlig weltfremden und widersinnigen Begriffsbestimmung“.
Bei der Auseinandersetzung mit dieser Behauptung ist zunächst festzustellen, dass man in diesen Ausspruch zwei völlig unterschiedliche Kernaussagen hineininterpretieren kann.
Das wäre einerseits der Gedanke, er wolle damit lediglich die Unmöglichkeit zum ziehen einer Armutsgrenze und –definition  in Deutschland ,aufgrund unzureichender Korrekturmöglichkeiten, zum Ausdruck bringen, andererseits lässt sich hierbei aber auch durch das ironisch Angehauchte vermuten, dass man in unserem Land keineswegs von Armut sprechen kann.
Ich möchte mich im Folgenden zu beiden Spekulationen äußern.


Der ersten Möglichkeit stimme ich größtenteils voll und ganz zu. Krämer zeigt in seinem Text aufschlussreich, durch welche Faktoren keine genaue Definition von Armut möglich ist. Diesem gebe ich Recht, denn durch falscher bzw. nicht exakter Einkommensberechnung ist in keinem Fall zu sagen, ob  ab so oder soviel ein Mensch als arm deklariert werden kann. Wer eine korrekte Definition von Armut anhand von Zahlen und Fakten aufstellen möchte, der ist gezwungen je nach unterschiedlichem Kulturkreis eine andere Definition zu erstellen.
So müsste er zunächst Kulturkreise in lockerem geografischen Umfang von einander trennen bzw. benennen wie beispielsweise Europa, Nordafrika, Südafrika, etc. und jeweils diesem Kulturkreis eine „passende“ Definition von Armut verleihen. Das würde aber schon daran scheitern, dass es auch innerhalb eines kleineren Kulturkreises (zb. Deutschland) wieder viele andere Faktoren wie Arbeitslosigkeit oder in diesem Fall auch Ost-West Unterschiede gibt.
Demnach wäre auch mit der Unterteilung in Kulturkreise eine exakte Armutsdefinition nicht gegeben. Nebenbei sei erwähnt, dass der Begriff Armut auf einen Menschen erst zutrifft, sobald neben finanziellen Missständen auch geistige Verarmung feststellt wird. Darauf jedoch näher einzugehen würde zweifelsfrei den Rahmen der Aufgabenstellung sprengen.

Anhand der oben aufgeführten Aspekte lässt sich schlussfolgern, dass eine allgemeingültige Definition von Armut nicht möglich ist, da eben dieser Begriff zu facettenreich ist um wirklich definierbar zu sein. Jedoch lässt sich unter bestimmten Bedingungen Armut in 3 verschiedene Kategorien einteilen. Da wäre zum einen die sog. absolute Armut, von der überwiegend die afrik. Menschen betroffen sind, und zum andern ist die sog. relative Armut existent, die abhängig vom Umfeld definiert ist und z.B. viele Deutsche umfasst.
Der Begriff transitorische Armut ist als Drittes  zu nennen. Er beschreibt Menschen, die in vorübergehender Armut leben. Sie kann sowohl Bauern aufgrund einer Missernte, als auch Börsenmakler die ihr Vermögen verspekuliert haben umfassen.
Aufgrund der oben durchgeführten Prüfung auf Stichhaltigkeit der These lässt sich abschließend zum Ersten Interpretationsansatz feststellen, dass Herr Krämer im groben Recht behält und der Begriff Armut sich lediglich klassifizieren anstatt pauschalisieren lässt.

Der Zweite Interpretationsansatz geht davon aus, dass der These als Kernaussage die fälschliche Anwendung des Begriffs Armut in Deutschland zugrunde liegt.
Diesem kann ich aus nachfolgenden Gründen nicht zustimmen. In unseren Industrienationen gilt nach wie vor ein gewisser Lebensstandard, der sich zwar in gewissem Maße von Region zu Region abgrenzt, aber dennoch für westliche Bürger festzulegen ist. Da wird bspw. der Besitz eines Autos und Fernsehers, einer Mikrowelle und Toasters als Notwendigkeit angesehen. Wer diese wichtigen Güter zur Lebenserhaltung nicht besitzt, wird gerne von Anderen pauschal als arm deklariert. Zu dem westlichen Lebensstandart gehört aber auch eine zureichende Hygiene bzw. die Mittel dazu, soziale Absicherung, soziale Integration, usw. Wer diese Standarte nicht erfüllen kann ist da schon eher als arm anzusehen, als Jemand der keinen PKW besitzt. Und da es genügend Menschen in Deutschland gibt, vor allem zugezogene Ausländer, Obdachlose, Alleinstehende, etc, die diese Vorraussetzungen nicht erfüllen, ist von einer gewissen Armut zu sprechen.
Demnach ist diese These bzw. mögliche Interpretation der These widerlegt. Zwar ist eine statistisch genaue Erfassung der Armen nicht möglich, jedoch sollte man nicht blindlings wegschauen, sondern das Problem der Armut in Deutschland ernst nehmen und etwas dagegen unternehmen...

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  • Autor: Tom Zeddies
  • Fach: Politik
  • Stufe: 13. Klasse
  • Erstellt: 2007
  • Note: 1
  • Aktualisiert: 28.06.16

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