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Russlanddeutsche Geschichte - Referat

Inhaltsverzeichnis

Nun ein Referat über Russlanddeutsche und ihre Geschichte sowie ihre Re-Integration in Deutschland. Dieser Artikel kann also auch als Russlanddeutsche Referat betrachtet werden, informiert er doch bestens und ausgiebig darüber.

Migration nach Russland

Zur Ausgangsituation, gibt es folgendes zu sagen: Deutschland und Russland waren noch nie Nachbarn, aber schon seit dem Mittelalter gibt es ein regelmäßigen Kontakt durch Diplomatie, Handel und Geistliche zwischen beiden Völkern.

Nach dem Peter I. (1689-1725) Russland und Europa für einander geöffnet hat, stieg der Bedarf an Fachleuten (Offizieren, Wissenschaftler, Baumeister, Handwerker). Viele von denen blieben nur für kurze Zeit zu Gast, aber andere entschieden sich dafür in Russland sesshaft zu werden.

Später entscheidet sich Katharina II. (1769-1796) für die sogenannte:
„Populationstheorie“, d.h.  mehr Arbeitskräfte = stärkere Wirtschaftskraft.

Russland verfügte über keine ausreichende Reserve an eigenen persönlich freien Siedlern. Katharina II. ließ ein Einladungsmanifest an verschiedenen europäischen Höfen verbreiten. Sie versprach ausländischen Kolonisten bei ihrer Umsiedlung nach Russland eine Reihe von Privilegien:
- Religionsfreiheit
- Befreiung von Militär- und Zivildienst
- Steuerfreiheit für bis zu 30 Jahren
- Selbstverwaltung und staatliche Unterstützung bei der Umsiedlung.

Manche Landesteile von Deutschland litten stark unter dem Siebenjährigen Krieg, deswegen wanderten zwischen 1764 – 1767 Jahren 23000 – 29000 Personen aus Deutschland nach Russland. Sie wurden meistens für die Kolonisation der Wolgasteppen in der Nähe von Saratow bestimmt. Sie bekamen 30 Hektar Land pro Familie zum erblichen Besitz für Bewirtschaftung.

Später, nach dem Katharina II. Türkei besiegte, weiteten sich die russischen Grenzen bis zum Schwarzen Meer aus. Immer mehr und mehr Menschen siedelten sich in diesem Gebiet an, darunter auch viele Deutschen.

1804 beschloss die russische Regierung, zur Kontrolle der Einwanderung, nicht mehr als 200 Familien als Kolonisten pro Jahr aufzunehmen. Sie sollten gesunde verheiratete Bauern und Handwerker sein, die Bargeld oder Waren von mindestens 300 Gulden als Eigentum nachweisen konnten. An diese Kriterien hat man sich gehalten, an die zahlenmäßige Beschränkung jedoch nicht immer.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten viele tausender Menschen, die häufig Notstände im materiellen oder im kirchlichen Bereichen hatten, um. Ein Teil dieser Auswanderer wählte das Schwarzmeergebiet, dass sogenannte „Neurussland“ als zukünftige Heimat. Viele davon starben wegen mangelhafter Versorgung und durch Krankheiten. Die Überlebenden wurden 1804 – 1842 in den neu gegründeten Kolonistenbezirken bei Odessa, Kutschurgan, Glückstal, Beresan, Molotschna, auf der Krim, bei Mariupol, Jekaterinoslaw angesiedelt.

Die Gesamtzahl der Deutschen, die sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Bauern und Handwerker in der Kolonien und Städten Neurusslands niederließen, betrug etwa 55000 Personen.

Die Kolonisten im Schwarzmeergebiet bekamen, pro Familie, 65 Hektar Land in Privatbesitz. Im Vergleich zu den Wolgadeutschen hatten sie einen besseren Lebensstandart, z.B. durften die Handwerker von Beginn an ihren Beruf ausüben. Aus einer Reihe dieser Handwerksbetriebe gingen in der Folgezeit Fabriken für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte hervor. Die Kolonien wurden durch das „Fürsorgekomitee für ausländische Ansiedler“ betreut. Sie übernahmen das Wissen über die neuen Technologien und landwirtschaftlichen Kulturen und sorgten für deren Verbreitung, um es auch für andere Gebiete nutzen zu können. Der Getreideanbau und -handel im Schwarzmeergebiet profitierte vom Ausbau der Häfen und Verkehrswege, dadurch wurden die Kolonistenbezirke zum festen Bestandteil des gesamtrussischen Marktes und entwickelten sich zu einer Kronkammern Europas.

Die Kolonisten durften ihre Religionen frei ausleben, so entstanden Kirchen, zur Ausübung dieser. Eng mit den Kirchen verknüpft waren Kranken-, Armen-, und Weisenhäusern, sowie die Kirchenschulen. Es bestand die allgemeine Schulpflicht, die Lehrkräfte dafür wurden von den Kolonisten bezahlt. Mit steigendem Wohlstand wurde es möglich, Lehrbildungsanstalten und zum Ende des Jahrhunderts auch eine Reihe von weiterführenden Lehranstalten, bis hin zu Mädchengymnasien, aufzubauen. In Moskau und Petersburg hatten diese einen besonders guten Ruf.

I. Weltkrieg und die Russlanddeutschen

Die wirtschaftliche Verflechtung der Kolonien mit dem gesamtrussischen Markt ging auch einher mit dem Hineinwachsen der Kolonisten in die Gesellschaft.
Die deutschen Stadteinwohner und Kolonisten waren loyale Untertanten ihres Landesherren und kamen dem Land in schweren Zeiten zur Hilfe, auch wenn sie, wegen der Befreiung vom Militärdienst, dazu nicht verpflichtet waren.
Nach der Niederlage im Krimkrieg wurde eine Reihe von Reformen zur Stärkung Russlands in Angriff genommen. Die Kolonisten wurden durch die Aufhebung der Selbstverwaltung und die Einführung der Militärpflicht betroffen. Für viele war das mit ihrem Glauben nicht zu vereinbaren und es begann eine Auswanderungswelle nach Übersee.

Die Slawophilen (Denkrichtung, die sich auf russische Tradition besinnt) förderten eine Verdrängung der deutschen Bauern. Das Fremdgesetz, von 1887, entsprach dieser Forderung. Mehrere Zehntausend Deutsche wanderten nach Übersee aus.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1915, sollten der deutsche Grundbesitz in einem Grenzstreifen von 150 km Tiefe liquidiert und die Bauern ausgesiedelt werden, da die russische Regierung befürchtete, diese würden die deutschen Truppen unterstützen. Das hat rund 200 000 Kolonisten betroffen. Das dazu veranlasste Gesetz, dass so genannte Liquidationsgesetz, verbreitete sich auf fast alle deutsche Kolonien. Sicherheitspolitisch war es nicht erforderlich und volkswirtschaftlich schädlich, aber es entsprach dem Zeitgeist. Die Deutschen Russlands wurden als der „innere Feind“ gesehen.Dieser Punkt wäre in einem Russlanddeutsche Referat nicht unwichtig zu erwähnen!

Revolution und Bürgerkrieg

Die provisorische Regierung verkündete nach der erzwungenen Abdankung des Zaren Nikolaus II., im März 1917, die Bürgerrechte für alle Einwohner des Russischen Reiches. “Autonomiebewegungen“ von unterschiedliche Völker, auch von deutschem Volk, wurden dadurch wieder neu entzündet.
Die Kommunisten, die kurz darauf die Macht übernahmen, erkannten 19.10.1918 die Kolonien der Wolgadeutschen als Autonomes Gebiet an.

Die Deutschen in Russland wollten entweder eine deutsche Kolonie, unter dem Schutz des Deutschen Reiches erschaffen, oder zurück in das Reichgebiet umsiedeln, ihre Reichsregierung war aber an keiner der beiden Lösungen interessiert.

Alle Kolonisten litten 1921-1924 unter einer Missernte, der Hungertod kam noch als zusätzliche Belastung hinzu. Ca. 30% der gesamten deutschen Bevölkerung sind aus diesem Gebiet in andere abgewandert, um den zahlreichen Problemen zu entfliehen.

Das Autonome Gebiet der Wolgadeutschen wurde Anfang 1924 zu einer Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR) der Wolgadeutschen aufgewertet. Andere Kolonien wurden als deutsche Landkreise angesehen. Deutsch war Amt- und Unterrichtssprache.

Mit dem Beginn der Kollektivierung, ein Merkmal der politischen Umwälzungen in Russland, waren die Deutschen zu 95% betroffen, während der Landesdurchschnitt bei 57,7% lag. Die Bauern wurden enteignet und mit ihren Familien nach Sibirien und in die Trockensteppen Mittelasiens verbannt.

Bis 1927 schafften Tausende von deutschen Bauern mit Hilfe der Deutschen Botschaft und Zustimmung der Moskauer Regierung nach Übersee auszuwandern. Mit dem Beginn der Kollektivierung gabt es dieser Möglichkeit nicht mehr. Die damaligen Botschafter und die Reichregierung begründete die Absage mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und der Befürchtung, die deutsch-sowjetischen Beziehungen würden sich ansonsten verschlechtern.

Als die NSDAP in Deutschland an die Macht kam, ergriffen russische Behörden eine Reihe von Maßnahmen gegen die deutsche Bevölkerung. Alle Deutschstämmigen (auch kommunistische Emigranten) wurden
unbemerkt von der Öffentlichkeit in Listen erfasst. Die Deutschen erhielten erneut den Stempel „innere Feinde“ zu sein.
Es begannen Repressionen, Verhaftungen, Schnellgerichte. Viele der Betroffenen wurden von der Umwelt isoliert und in Arbeitslagern gehalten. Nur Einzelne haben diese Zeiten überlebt.
Seit der Öffnung der sowjetischen Archive 1990 ist der Öffentlichkeit bekannt geworden, dass die Verhafteten unschuldig waren. Sie wurden Opfer der Planerfüllung.

II. Weltkrieg und die Russlanddeutschen

Bereits in den ersten Wochen des Krieges verloren die sowjetischen Behörden die Kontrolle über die westlichen Gebiete. Es gab viele Flüchtlinge. Mitten in diesem Chaos wurden Deutschen (ca. 100 000) von der Krim nach Kasachstan, Kirgisien und Tadschikistan deportiert. Die Wolgadeutschen wurden nach Sibirien und Kasachstan umgesiedelt. Die Bevölkerung wurde unter Mitnahme von geringen Lebensmittel- und Kleidungsvorräten an Bahnhöfen und Schiffsanlegestellen gesammelt und nach Osten transportiert. Später waren auch die Deutschen aus Leningrad und kleineren Siedlungen betroffen.
Die Deutschen durften ihren Aufenthaltsort ohne Sondergenehmigung nicht verlassen und mussten sich regelmäßig beim Kommandanten melden. Sie bildeten, inklusiv Frauen und alte Menschen, die Arbeitsarmee, die auf Schwerbau tätig war. Die Gesamtzahl der Deutschen in der Arbeitsarmee wird auf etwa 100 000 Personen geschätzt.

Die deutsche Bevölkerung westlich des Dnepr war wegen des raschen Vormarsches der Wehrmacht im Sommer 1941 für die sowjetische Behörden nicht mehr erreichbar und wurde nicht deportiert. Das waren ca. 200 000 Personen. Sie hießen in der Verwaltungssprache „Volksdeutsche“ und standen formal unter dem Schutz des Deutschen Reiches.
Nach der Niederlage von Stalingrad Anfang Februar 1943 begann der Rückzug deutscher Truppen und der Zivilverwaltung.
Der erste Flüchtlingstreck setzte sich im November 1943 in Richtung Reichsgrenze in Bewegung. Er bestand aus etwa 90 000 Personen mit Fuhrwerken und Vieh.
Der so genannte „Große Treck“ bestand aus etwa 125 000 Deutschen aus dem Gebiet zwischen Dnestr und Bug. Sie aber wurden von der Roten Armee überrollt und gewaltsam in die Sowjetunion zurückgebracht. Die Durchgekommenen wurden von den Westalliierten an die sowjetischen Repartierung-Kommandos ausgeliefert und ebenfalls in die UdSSR repartiert. Die Menschenverluste während der Festnahme und des Transports werden auf 15% - 30% geschätzt.
1955 waren alle etwa 1,5 Millionen Russlanddeutsche vom Säugling bis zum Greis in Gewahrsam.

Die Normalisierung der Lage der Russlanddeutschen

Ab Anfang 1956 durften die Deutschen den Ort ihres Gewahrsam verlassen. Sie konnten aber nicht in ihre Heimatorte zurückkehren und bekamen keine Entschädigung für ihr 1941 beschlagnahmtes Eigentum. Das Jahr 1956 war somit in jeder Hinsicht die Stunde Null in der Nachkriegsentwicklung der Russlanddeutschen. Es begann eine Binnenemigration, die für eine völlig neue Bevölkerungsverteilung sorgte.

Das Fehlen eines deutschsprachigen Unterrichts führte zu einer rasch voranschreitenden Russifizierung. Während von allen Deutschen, die sich 1926 als solche eintragen ließen, noch 95% Deutsch als ihre Muttersprache bezeichneten, ging dieser Anteil bis 1989 auf 48,7% zurück.

Die Kirchen der Russlanddeutschen, wie auch die der anderen Völker der UdSSR, waren seit den dreißiger Jahren geschlossen. Später wurden Gemeinden gegründet. Der Religionsunterricht war für Schulkinder bis Ende der achtziger Jahre gesetzlich verboten.

Die Autonomiebestrebungen und Ausreisebewegung
Die Deutschen wurden nicht voll rehabilitiert und galten, sowohl bei Behörden, als auch bei der Bevölkerung, als nicht gleichberechtigt. Das Verbot der Rückkehr in die früheren Siedlungsgebiete blieb bestehen.

Die deutsche Bevölkerung der Sowjetunion versuchte wiederholt, die Staatsführung von der Wiederherstellung der Autonomen Republik an der Wolga zu überzeugen. Jeder gescheiterte Versuch führte zu einer wachsenden Ausreisebewegung.

Ende 1991 hat die UdSSR aufgehört zu existieren. Mit der Herausbildung neuer Staaten fanden sich die im Lande verbliebenen Russlanddeutschen auf dem Gebiet dieser Staaten wieder.

Zuwanderung in der Bundesrepublik Deutschland durch die Russlanddeutschen

Von 1950 bis Ende Juni 2000 siedelten aus Russland insgesamt 4 783 682 Personen in die Bundesrepublik Deutschland um. Die Öffnung Osteuropas gen Westen hatte einen sprunghaften Anstieg der Zuwanderungszahlen von Aussiedlern zur Folge. Unter dem Eindruck der ansteigenden Zuwanderungszahlen, sowie der hoher Arbeitslosigkeit und einer verschlechterten wirtschaftlichen Lage in der Bundesrepublik Deutschland, verringerte sich die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber den Zuwanderern, die zunehmend als Konkurrenz um Arbeitsplätze und um staatliche Leistungen wahrgenommen wurden.

Die Aussiedler, die in den letzten Jahren nach Deutschland kamen, bilden meist gemischt-nationale Familien (Russlanddeutsche hatten Russen geheiratet), die nur geringe bis keine Deutschkenntnisse mitbringen, da die Amtssprache zur Privatsprache wurde. Sie sind von den Normen, Werten und der kulturellen Entwicklung in Deutschland entfernt. Die Integration wird auch durch die hohe Arbeitslosigkeit erschwert. Im Durchschnitt ist es den Ankommenden erst nach 4 Jahren möglich eine Arbeitsstelle zubekommen. Viele, die eine Berufsausbildung und oft einen Hochschulabschluss haben, erleben einen sozialen Abstieg.

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Aussiedlungsmotive der Russlanddeutschen

- Bessere Zukunft für die Kinder 39,8%
- Familienzusammenführung 38,4%
- Rückkehr ins Abstammungsland 37,3%
- Hoffnung auf materielle Verbesserung 37,1%
- Bessere Ausbildung 29,6%
- Wunsch als Deutscher unter Deutschen zu leben 26,1%
- Bessere ärztliche Versorgung 21,9%
- Großeltern wollten ausreisen 20,1%
- Alle Deutschen reisen aus 19,6%
- Wunsch, mit deutscher Sprache und Kultur zu leben 12,9%

Ende des Russlanddeutschen Referats bzw. Essay oder auch Artikel - je nach dem.

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4.3 / 5 Sternen (7 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Politik
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2012
  • Note: 2
  • Aktualisiert: 09.08.16

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  • Valöentina schrieb am 18.07.2012:

    Dieser Referat war sehr hilfreich für unseren Treffen mit Einheimischen, um über unsere Vergangenes "Erstes Leben" zu erzählen. Vielen Dank.

  • Jesus schrieb am 20.04.2012:

    Jesus sagt danke!

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